Kampf um Qualität

 

Die Berichterstattung wird in zunehmendem Maße ein Kampf um Bilder. Ganz besonders deutlich zeigte sich dies während des Irak-Kriegs im Frühjahr 2003. Im Gegensatz zum Golfkrieg 1991, den die amerikanischen Militäroberbefehlshaber auf den Charakter eines Videospiels reduzierten, ermöglichte das Pentagon den Reportern eine unmittelbare Berichterstattung vom Kriegsschauplatz: Die „embedded journalists“ waren geschaffen. Bryan Whitman, ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte, dass den Front-Reportern damit die Möglichkeit zu einer lückenlosen Berichterstattung gegeben sei und ebenso das professionelle Vorgehen der US-amerikanischen und britischen Truppeneinheiten dokumentiert werden könne. Über 500 ausgewählte Berichterstatter begleiteten die US-Streitkräfte auf ihrem Vormarsch von Kuwait nach Bagdad. Die Folge war eine Bilderflut unbekannten Ausmaßes und eine Kriegsberichterstattung aus der Mikroskop-Perspektive.

Dieses neue Konzept – „live von der Front“ zu berichten – führte zu heftigen Diskussionen unter Medienexperten. Können Journalisten, die mit Soldaten einer Armee gemeinsam durch Extremsituationen gehen und der Zensur der Armee unterliegen, noch unabhängig berichten? Ist ein Re-Check überhaupt noch möglich? Heiße Debatten gab es auch über die Frage, inwieweit die „eingebetteten Journalisten“ als Werkzeug der kriegführenden Parteien benutzt wurden oder sich im Kampf um die schnellen Bilder benutzen ließen. Die Reporter von Networks CNN, Fox und anderer Fernsehsender traten mit Stahlhelm vor die Kamera und hielten es für ihre patriotische Journalistenpflicht, die Kriegsbereitschaft in der Heimat zu stärken: „Wir rücken auf Bagdad vor.“ Die Grenze zwischen Propaganda und Kriegsberichterstattung mit unverfälschtem Bildmaterial wurde fließend. Die Art wie von zahlreichen Journalisten über den Irak-Krieg berichtet wurde, führte auch bei vielen Medien zu scharfer Kritik: „Militär und Medien liegen in einem Bett“, urteilte die Süddeutsche Zeitung scharf.

Michaela Essler

Bei "embedded journalists" stehen nicht die Menschen im Mittelpunkt der Berichterstattung - sondern die (US)-Kriegserfolge. Vergrößerte Ansicht
Download
Bei "embedded journalists" stehen nicht die Menschen im Mittelpunkt der Berichterstattung - sondern die (US)-Kriegserfolge.
(Foto: AP)
 

Webdesign 2003