Am Anfang war der Gänsegeier…

 

Meinrad Rahofer, seit 1997 Geschäftsführer des Salzburger Kuratoriums für Journalistenausbildung (KFJ), ist Journalist aus Leidenschaft. Der 47-jährige Publizist und Politikwissenschafter engagiert sich seit Jahren für Qualität im Journalismus und versucht, den Anforderungen der Zeit mit neuen journalistischen Ausbildungsprogrammen gerecht zu werden. Seit Mitte Mai 2003 ist er als erster Österreicher im Vorstand der Europäischen Vereinigung für Journalistenausbildung (EJTA).

J@Wort: Was macht für Sie einen guten Journalisten aus?

Rahofer: Das sind ein paar grundlegende Eigenschaften: Ein guter Journalist muss neugierig sein, sich für alles interessieren. Er darf nicht zuviel Respekt vor der Obrigkeit haben, sollte aber trotzdem höflich sein. Genauigkeit und Pünktlichkeit sind wichtig. Das ist gerade am Anfang der Karriere wesentlich wichtiger als eine gute Schreibe…

Sie sind ja selbst seit über 20 Jahren Journalist. Haben Sie Ihren theoretischen Ansprüchen immer Genüge getan?

Rahofer: Natürlich schreibt man im Leben viele Texte, die man im Nachhinein hätte besser machen können… Bei mir kommt dazu, dass ich keine journalistische Ausbildung hatte. Ich bin 1980 ganz zufällig zur Salzburger Volkszeitung (SVZ) gestoßen. Mein Glück war, dass man sich damals noch bemüht hat, den Leuten wirklich etwas beizubringen, das Handwerk zu lehren.

Können Sie sich noch an ihre erste Geschichte erinnern?

Rahofer: Das war eine Geschichte über einen Gänsegeier, dem ein Sender eingepflanzt wurde. Ich bekam eine zweizeilige Meldung und hatte die Aufgabe, eine Geschichte daraus zu machen. Da habe ich gelernt, was es heißt zu recherchieren, eine Geschichte weiterzudenken, Aussagen und Gegenaussagen einzuholen.

Damals hatten die Redaktionen noch Zeit und Geld, sich um Jungjournalisten zu kümmern…

Rahofer: …ja, ich durfte auch von Anfang an Geschichten schreiben. Meine erste ganze Seite habe ich nach zwei Wochen Praxis gemacht. Sehr bald habe ich die Kinoberichterstattung an mich gerissen und dann 15 Jahre nicht mehr hergegeben. Das war für mich der Fuß in der Tür.

Sie haben Berufserfahrung in Werbung und PR, schreiben Drehbücher und sind letztendlich beim Journalismus hängen geblieben. Warum?

Rahofer: Journalismus ist „to get hooked“, entweder man weiß sofort, dass man dort nicht arbeiten will, oder er lässt einen nicht mehr los.

Herr Rahofer, wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus?

Rahofer: Ganz verschieden: Ich bin Lektor an der Universität Salzburg, im KFJ bin ich für alles Kaufmännische verantwortlich, halte selbst Seminare, suche Referenten und unterhalte mich natürlich oft mit Journalisten. Und natürlich versuche ich, die Kurse des KFJ weiterzuentwickeln.

Wie entsteht das Kursprogramm für das Journalistenkolleg?

Rahofer: Es gibt natürlich manchmal eine Diskrepanz zwischen dem, was die Leute lernen wollen, und dem, was sie lernen sollen. Bei meiner Tätigkeit in der EJTA sehe ich, wie wichtig es für Journalisten heute ist, vielseitig zu sein. Sie müssen eine breite Basis haben, mit mehreren Medien vertraut sein, sonst haben sie auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance.

Susanne Sametinger-Albrecht

Meinhard Rahofer ist erster Österreicher im Vorstand der European Journalism Training Association. Vergrößerte Ansicht
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Meinhard Rahofer ist erster Österreicher im Vorstand der European Journalism Training Association.
Er will einen Austausch europäischer Journalisten organisieren. Vergrößerte Ansicht
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Er will einen Austausch europäischer Journalisten organisieren.
"Die Redaktionsstrukturen verändern sich, die Ressortgrenzen werden aufgeweicht." Vergrößerte Ansicht
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"Die Redaktionsstrukturen verändern sich, die Ressortgrenzen werden aufgeweicht."

Mehr unter:
www.ejta.nl

 

 
 

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