| Eine Woche nach der Befreiung
aus der Geiselhaft hat für Sabine Wintersteller wieder ein
normales Leben begonnen. Sie sieht frisch aus, denkt kaum mehr an
die Qualen der Gefangenschaft in Algerien. Zeit zum Ausruhen gab
es für sie und die anderen Ex-Geiseln allerdings noch wenig.
Seit ihrer Ankunft sind die acht Salzburger der mediale Mittelpunkt.
„Sechsmal am Tag hat am Anfang das Telefon geläutet.
Es gab Interviewanfragen aus Österreich, Deutschland und sogar
England. Mittlerweile hat es sich auf einmal täglich reduziert“,
erzählt Wintersteller, während sie auf ihr Handy schaut.
Gerechnet habe sie mit dem enormen Medienrummel nicht. „Am
Flughafen habe ich die ganzen Kamerateams gar nicht wahrgenommen.
Ich bin aus dem Flugzeug gestiegen und habe nur den Landeshauptmann
gesehen. Erst zuhause, als die Reporter vor unserer Türe standen,
ist mir das bewusst geworden.“
Während sich das Ehepaar Kienberger von den Medien Ruhe wünscht,
haben die anderen Exklusiv-Verträge abgeschlossen. „Viele
Leute glauben, wir sind mediengeil und wollen die große Kohle
machen. Doch das stimmt so nicht“, sagt die Salzburgerin.
Es komme zwar schon vor, dass sie für eine Geschichte Geld
verlange, „aber das machen die anderen auch, und ich wäre
blöd, wenn ich es nicht täte.“ Ihr Bruder ist zum
Manager von ihr und Vater Gerhard geworden. Er ist für sämtliche
Preisverhandlungen verantwortlich.
Sabine Wintersteller ist mittlerweile im Umgang mit den Medien
sehr vorsichtig geworden. Sie hat in letzter Zeit einige negative
Erfahrungen mit der Presse gemacht. „Teilweise sind sie nur
auf ihren Vorteil bedacht und nehmen keine Rücksicht auf die
Betroffenen“, erzählt die Ex-Geisel. Interviews werden
hin und wieder falsch zusammen geschnitten und Zeitungen bringen
Zitate, die anders gesagt wurden.
Die häufigsten Fragen: die Gefangenschaft als Frau und die
Befreiung. „Darüber wollen und dürfen wir aber,
bis die restlichen Geiseln befreit sind, nichts sagen“, sagt
Wintersteller. Differenzen in der Gruppe, die aufgrund der unterschiedlichen
Aussagen entstanden sind, erklärt sie sich so: „Jeder
hat die Gefangenschaft anders erlebt und jeder bringt seine Version,
die er natürlich auch verteidigt.“
Katharina Wörndl
zurück
|