„Für beide Berufe muss man nichts gelernt haben“

„Keiner redet mehr mit mir.“ Für FPÖ-Abgeordneten Hans Kronberger, als Aufdecker-Journalist beim ORF gefeiert, war der Wechsel in die Politik ein Sprung ins kalte Wasser: 1996 kam der Anruf von Susanne Riess-Passer, Kronberger nahm an – und verlor mit einem Schlag viele Freunde. „Dabei kann ich jetzt wirklich etwas bewegen“, sagt er und meint damit seinen FPÖ-Sitz im EU-Parlament. Von der öffentlichen Bildfläche ist er verschwunden, obwohl er die Kontakte zu früheren Kollegen sorgsam pflegt: Er stiftet jährlich einen Preis für Umweltjournalismus.

Journalisten lassen sich von solchen PR-Maßnahmen wenig beeindrucken. „Natürlich herrscht eine große Nähe. Aber ich bin mit keinem Politiker per Du“, erklärt Eva Linsinger, Innenpolitikredakteurin beim Standard. Auch Journalisten machen – schon durch die Themenauswahl – selbst Politik. Dass Kollegen in die Politik wechseln komme daher immer wieder vor. Kronberger dazu lapidar: „Für beide Berufe muss man nichts gelernt haben.“ Dies bedeutet aber nicht, dass Umsteiger von ihren Ex-Kollegen besser behandelt werden. „Eher sind wir rücksichtsloser“, meint Linsinger.

Das spürt nun auch SPÖ-Abgeordneter und Ex-ZiB-Anchorman Josef Broukal: Sein Schwenk zur FPÖ wird dem ehemaligen Haider-Hasser medial angekreidet. Er ist der vorerst letzte in einer langen Reihe von Fernsehjournalisten, deren bekannte Gesichter Parteien zum Wahlerfolg verhelfen sollten – und deren Karriere damit oft auch schon am Ende war. Helmuth Zilk brachte es vom ORF immerhin zu zehn Bürgermeisterjahren in Wien. Radio-Moderatorin Jutta Wochesländer ging 1999 für die FPÖ ins Parlament, ohne dort jemals aufgefallen zu sein; Theresia Zierler spielte sich mit ihrem Hausfrauen-Charme von „Willkommen Österreich“ ins Generalsekretariat der FPÖ und stürzte schnell zur einfachen Abgeordneten ab. Hans-Jörg-Schimanek wechselte von der ORF-Sendung Argumente 1993 in die Politik und verkümmert mittlerweile als FPÖ-Bezirksrat in Wien-Floridsdorf.

Auch Josef Broukal wurde statt Minister mangels Wahlerfolg nur einfacher Abgeordneter; weitere Angebote der SPÖ blieben trotz heftig geschwenkter Zaunpfähle aus. Mittlerweile hat Broukal einen Vertrag bei ATV unterschrieben – für den einst bekanntesten Fernsehmann Österreichs ein Abstieg. Seinen Job als Wissenschaftssprecher nimmt er trotzdem so ernst, dass er für das Ja-Wort nicht erreichbar war. Er saß im Wissenschaftsausschuss.

Corinna Milborn

 

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