Ein seltsamer Brief flatterte in der
vergangenen Woche oberösterreichischen Unternehmern ins Haus.
Die Adressaten wurden darin gebeten, in einer Sonderausgabe der
ÖVP-Parteizeitung "Neues Volksblatt" Anzeigen zu
schalten. Kurioserweise stand die Bitte um "werbewirksame Schaltungen"
auf offiziellem Briefpapier des Wirtschaftsministeriums.
Unterzeichnet wurde das Schreiben von Staatssekretär Helmut
Kukacka. "Ein klarer Fall von Amtsmissbrauch", urteilte
der Bildungssprecher der Grünen, Gerhard Öllinger. Er
forderte Kukacka unverzüglich zum Rücktritt auf. Öllinger
fügte aber hinzu, dass er sich mit der Forderung der Beendigung
von Kukackas politischer Karriere prinzipiell schwer tue: Denn durch
das Bezügegesetz sei festgelegt, dass Politiker im Alter von
56,5 Jahren die "Pensionsreife" erlangt haben. Außerdem
war der Politiker bis zum Eintritt in die Regierung ausgerechnet
als Geschäftsführer des "Neuen Volksblattes"
tätig. Im Falle eines Rücktritts hätte er also Anspruch
auf zwei Pensionen.
"Ihm erwächst aus seinem Rücktritt überhaupt
kein Nachteil. Er kann ungestört der Anzeigenkeilerei nachgehen
und gleichzeitig satte Ruhebezüge kassieren", so Öllinger.
Wobei die Staatssekretärspension immerhin 11.577 Euro ausmacht.
Reinhard Winterauer, Landesgeschäftsführer der SPÖ,
bemerkte dazu, die ÖVP verfalle zunehmend in einen Machtrausch
und verliere alle Hemmungen. Kurz und bündig fiel dagegen die
Stellungnahme des Verlagsleiters des Neuen Volksblattes, Wolfgang
Mayr, aus: "Es tut uns Leid, dass dies Helmut Kukacka passiert
ist." Auf die Frage, wie so etwas geschehen könne, sagte
Mayr: "Der Grund dafür dürfte Unachtsamkeit gewesen
sein." Als Entschuldigung führte er weiters an, die Briefe
seien nur auf Grund guter Bekanntschaften von Kukacka zu den betreffenden
Firmen versandt worden. Helmut Kukacka selbst betrachtet die Angelegenheit
als "reichlich hochgespielt". Sein einziger Fehler sei
"die Verwendung des falschen Briefpapiers gewesen".
Peter Gnaiger
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