2raumwohnung steht für geschmeidigen
Elektropop von Tommi Eckart, verfeinert mit der hauchzarten Stimme
von Inga Humpe. DÖF steht für vergangene Projekte und
Deutsch-Österreichisches Feingefühl. Bei ihrem Konzert
in der ARGE-Nonntal in Salzburg haben sie dieses Gefühl wieder
aufleben lassen und vorher über ihre neue Single „Freie
Liebe“, Gewaltbekämpfung und Medien gesprochen.
J@Wort: Was genau bedeutet freie Liebe für Euch?
Inga: Wir haben „Freie Liebe“ geschrieben,
als das ganze Kriegsgezeter im Gange war und die Gewaltbereitschaft
immer größer wurde und in den Medien immer stärker
vorhanden war. Da haben wir uns überlegt, dass man sich ruhig
auch auf so eine gute alte Hippie-Haltung berufen kann.
Tommi: Im Text geht’s eigentlich um Befreiung
durch Liebe, durch das, was Liebe auslöst, was Liebe verändert.
Wenn man versuchen würde, die Liebe aus der Welt zu dividieren,
würde nichts mehr übrig bleiben, nichts, was das Leben
lebenswert macht.
Inga: Es gibt ein Zitat von Houllebequce, diesem
irren Franzosen. Als das damals mit Afghanistan war, hat er gesagt,
man sollte doch anstatt Bomben lieber Strapse und Büstenhalter
abwerfen. Das hätte wahrscheinlich 'ne bessere Wirkung.
Tommi: Das hätte die Taliban wahrscheinlich
schneller gestürzt als die Bombenangriffe.
Was ist für Euch die ideale Liebe? Und: was ist das
Rezept Eurer Liebe?
Inga: Ideal und Liebe, das schließt sich
ja schon mal aus. Liebe beinhaltet ja Unperfektion und Menschlichkeit,
deswegen geht das eigentlich nicht. Man kann Liebe nicht erklären.
Liebe ist ja völlig ungerecht. Ich freu` mich einfach nur,
wenn Tommi pupst.
Tommi: Es gibt kein Rezept für die Liebe.
Wichtig ist viel Respekt und viel Vertrauen und dass man wenig das
Bedürfnis hat, an dem Anderen rum zu drehen. Aber eigentlich
ist es nur Glück und Pech. Es passiert irgendwie.
Was war zuerst da: die private oder die berufliche Liaison?
Tommi: Die private Liaison war zuerst da, obwohl
wir uns in einem Studio kennen gelernt haben.
Inga: Und die hält schon zehn Jahre an. Das
is`, glaub ich, schon Goldene Hochzeit, oder so was.
Stimmt es, dass Ihr Eure Texte als Erziehungsauftrag versteht?
Inga: „Wirklich sein“ hat schon was
sehr Postulatisches, so was Ansprachemäßiges, Forderndes.
Es ist ein Anti-Fernsehlied. Ich bin z.B. ein Fernsehhasser, das
ist so eine Hass-Liebe. Bei „Wirklich sein“ rufen wir
dazu auf, das wirkliche Leben wirklich zu erleben und nicht erle-
ben zu lassen. Wenn alles nur in diesem kleinen eckigen Ding passiert,
kann man ja nur frustriert werden.
Stichwort: 2raumwohnung und Werbung?
Inga: Ja, das ist ein Kapitel aus der Vergangenheit.
Wir wurden wieder gefragt, was für Zigaretten zu machen, und
haben abgelehnt.
Warum? Aus moralischen Gründen?
Tommi: Es ist schon o.k., wenn man raucht, und
jeder soll das auch selber entscheiden, aber man muss nicht unbedingt
Werbung dafür machen. Viele Leute sind stark genug, wieder
aufzuhören und manche eben nicht. Und deswegen ist es doch
irgendwo ein zwiespältiges Ding.
Inga: Werbung an sich kann ich super gut vertreten,
wie auch viele andere Künstler, denn Werbung ist für uns
einfach eine Möglichkeit, Leute zu erreichen, an die wir sonst
nie rankommen würden. Man darf nicht vergessen, dass wir obwohl
wir mittlerweile doch recht bekannt sind, in Deutschland immer noch
mit Radio-Stationen kämpfen, die uns nicht spielen wollen.
Viva spielt uns nicht, MTV spielt uns dieses Mal, aber das ist jedes
Mal wieder eine Zitterpartie und das geht mir super auf die Nerven.
Warum spielt Euch Viva nicht?
Inga: Viva hat immer haarsträubende Gründe:
„Wir haben so viele Videos, wir müssen das neue Shakira
spielen.“ Man findet immer eine Begründung, wenn man
will. Wir haben keine Lobby. Deswegen versuchen wir auch immer,
durch Live-Auftritte den Leuten einen guten Abend zu bieten und
so oft wie möglich präsent zu sein.
Tommi: Manchmal ermöglicht uns Werbung, ungewöhnlichere
und experimentellere Sachen umzusetzen, andere Medien trauen sich
das nicht.
Wie geht’s nach der Tour weiter? Ein neues Album?
Oder Urlaub?
Tommi: Das mischt sich bei uns. Wenn wir in Urlaub
fahren, fallen uns die meisten Texte ein.
Inga: Ab August machen wir einen kleinen Cut.
Fahren nach Mallorca, Ibiza. Nehmen unseren Laptop mit und arbeiten
und reisen.
Silvia Glas
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