Ergraute Schlachtrösser und die Ich-AG

„Allein die Debatte über Qualität ist schon ein Erfolg. Gewisse ökonomische Prozesse kann man auch gar nicht aufhalten.“ Heinz Nussbaumer, Sprecher der Initiative Qualität im Journalismus, setzt die Latte niedrig an, wenn er die bisherige Arbeit seines Vereines bewertet. Für ihn kann die Förderung und Sicherung der Qualität in der Branche nur bei den Journalisten selbst beginnen. „Wenn in Redaktionen gewisse Standards angenommen werden, können sie auch durchgesetzt werden. Das eigene Umfeld bestimmt das, und nicht nur die Unternehmer.“ Im Selbstverständnis impliziert ist deshalb, dass man sich nicht als Richter aufspielen will. Der Diskussionsprozess soll für alle offen sein. Und als standespolitisches Instrument soll das gezeigte Engagement schon gar nicht missinterpretiert werden, auch wenn gelegentlich Kommentare zu der Situation des Presserates oder der Presseförderung in die Schreibstuben der Nation gesendet werden.

Gegründet wurde die Initiative Qualität im Journalismus im Jahr 2000 von einer Gruppe Journalisten, Kommunikations- und Medienwissenschaftern, die Handlungsbedarf angesichts der zunehmenden Verschlechterung des hiesigen Medienmarktes sahen. Nach einem Relaunch zu Beginn dieses Jahres hat man die embryonale Phase verlassen und geht mit neuem Vorstand in die zweite Runde. In der anderen Ecke stehen nach wie vor die großen Gegner Mediokratie, also die Vernetzung zwischen Politik und Journalismus als inszenierte Show, und die in diesem Land eklatante Medienkonzentration. Als Grundlage galt anfangs ein rein akademischer Boden, aber schon nach kürzester Zeit wurde man durch den überraschend großen Bedarf der angesprochenen Journalisten an einer Diskussion über Qualitätsevaluierung eingeholt und in den praktischen Bereich der Berufswelt und deren Probleme geführt. Eine genauere Definition der eigenen Ansprüche wurde zwar bis heute bewusst vermieden, dennoch weiß die Initiative zumindest was unter Nicht-Qualität zu verstehen ist: Quotenjagd, Reichweitengier, Ökonomisierung des Redaktionsbetriebes, Product-Placement in den Medien, Versuch der Einflussnahme der Werbewirtschaft auf redaktionelle Inhalte und die Ausblendung von wichtigen, aber unverkäuflichen Themen.

Anheben will man die journalistischen Standards vor allem durch selbstkritischen Dialog über Redaktionsgrenzen hinweg mittels konkreter Projektarbeit. Bei Podiumsdiskussionen und einem verbesserten Angebot von Fortbildungsmöglichkeiten sollen die Kollegen den eigenen Berufsstand durchleuchten. Mit einer geschützten Werkstätte für Journaille-Silberrücken hat das aber nichts zu tun. Deswegen betont Heinz Nussbaumer: „Wenn uns die Jungen ablösen, um so besser. Es soll nur ja kein Tummelplatz für ergraute Schlachtrösser werden.“ Wenn anschließend auch ausreichend Platz für die nachrückende Generation in den Redaktionen gemacht wird, erhalten die angehenden Starreporter von morgen damit auch die ökonomischen Grundlagen zum entspannten Austausch.

Thomas Tesar

 

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