„Kabarett für Moralinjunkies“

Das Konzept schien aufgegangen zu sein. Der Veranstaltungssaal der Salzburger Nachrichten war erfüllt von stimmbruchgeschüttelten Brummtönen und spitzem Gekicher. Für ihre Antistigma-Veranstaltungsreihe „Psychisch krank - was nun?“ hatte sich die Plattform Psychiatrie nämlich eine Teenager adäquate Aufbereitungsmethode einfallen lassen. Für das Thema „Jugend, Ängste, Drogen“ wurden die Jugendlichen mit einem Auftritt des Kabarettisten Ingo Vogl geködert.

Aber schon das thematische Begriffspaket hätte die minderjährige Meute stutzig machen sollen. Selbst Ingo Vogl konnte mit seinem Auftritt die bemüht pädagogischen Ambitionen dieses Abends nur schwer verschleiern. Statt des ausgestreckten Zeigefingers schlichen sich die unvermeidlichen Appelle als Heraufbeschwörung der permanenten Rauschapokalypse ins Programm und gipfelten in der Feststellung, dass Drogenexperimente zwangsläufig mit dem Tod enden müssen. Ein Feuerwerk der Moral folgte. Totschlagsargumentativ untermauert durch die Tatsache, dass der Künstler aufgrund seiner Brotberufe, Sozialarbeiter und Rettungsfahrer, Bescheid wisse. Der konstant hohe Lachpegel bewies zumindest einen akzeptablen Unterhaltungswert.

Das änderte sich schlagartig, als der Kabarettist nun auch als Diskutant neben Nicole Rögl, Pädagogin und Mitarbeiterin beim Verein Akzente, Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Psychiater am LKH Salzburg, und Johannes Langer, Schüler einer Handelsakademie, auf der Bühne Platz nehmen durfte. Die plötzlich verschwundenen Jugendlichen versäumten so das Abspulen der ewig selben defizitorientierten Erklärungsmodelle, die natürlich ihre Ursachen für Drogenkonsum in der zu geringen Aufmerksamkeit für die Anliegen von Jugendlichen, den steigenden Leistungsanforderungen in der Gesellschaft, dem Druck innerhalb von Freundeskreisen und dem Reiz der Illegalität entdecken mussten.

Der glorreiche, unfreiwillig komische Abschluss des Abends gehörte aber dem Moderator des als Diskussion getarnten Präventionsvortrages. Ingo Vogl zugewandt, verabschiedete er sich mit den Worten „Danke für das tolle Kabarett.“ Was für ein passendes Motto für diesen verregneten Abend.

Thomas Tesar

 

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