Die Qualität im Journalismus ist
gefährdet. Untrügliches Zeichen für diese Entwicklung
ist der Zusammenschluss namhafter österreichischer Journalisten
zu einem Verein, der zur Qualitätssteigerung in der Zunft beitragen
soll. Wehklagen begleiten dieses Ansinnen: Politik und Wirtschaft
haben die Bedeutung der Medien als Transporteur von Informationen
erkannt und Apparate für ihre Öffentlichkeitsarbeit geschaffen.
Sie bieten den Journalisten gefilterte Informationen, die diese
nur allzu bereitwillig aufnehmen. Reporter sind also wenig kritisch,
beleuchten die Hintergründe zu oberflächlich. Als „vierte
Säule“ werden die Medien in das Gewaltenteilungsmodell
eingepasst, neben Legislative, Exekutive und Justiz. Sie können
gefährlich werden, wenn sie berichten, aufdecken, kommentieren.
Journalisten werden daher hofiert, es wird versucht sie einzukaufen
und wohlgefällig zu stimmen. Und die Mühen zeitigen Erfolge;
„Verhaberung“ heißt das unschöne Stichwort
dazu. Die Freunderlwirtschaft verhindert die objektive Berichterstattung,
macht den Journalisten zur Marionette, zum Handlanger der Mächtigen,
so der Vorwurf.
Nun, woher kommt das alles? Auf den ersten Blick betrachtet, könnten
charakterliche Defizite und menschliche Schwächen ins Treffen
geführt werden: Faulheit, Genusssucht, Machthunger, Geldgier,
Größenwahn usw. Niedere Beweggründe mögen schon
passen, auf den einen oder anderen. Derartige Entgleisungen dürften
sich aber verhältnismäßig einfach beheben lassen,
den Willen dazu vorausgesetzt.
Dennoch bringt man damit das Problem des Qualitätsverlustes
nicht vom Tisch. Verhaberung und eingeschränkte Kritikfähigkeit
von Journalisten werden erzwungen. Einige Gründe dafür:
Bewusste Inkaufnahme des Qualitätsverlustes aus unternehmerischen
Erwägungen; Personalabbau in der Branche; Verhaberung mit Politik
und Wirtschaft auf Unternehmerebene.
Qualitätssteigerung erreicht man durch Unabhängigkeit
der Journalisten. Berichten, aufdecken, kommentieren soll nicht
durch „unternehmerische Gesichtspunkte“ eingeschränkt
sein. Voraussetzung dafür: Unabhängigkeit derjenigen,
die Journalisten anstellen. Logische Konsequenz: Beginnt die Entflechtung
von oben nach unten, reduziert sich die Verhaberung zwangsläufig,
da von den Chefs nicht mehr geduldet. Die Forderung nach Qualitätssteigerung
kann daher nicht beim Journalisten beginnen, sondern muss beim Unternehmen
ansetzen.
Andreas Stupka
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