Mut zur Qualität

Chronik-Journalismus ist eine Gratwanderung. Berichterstatter bewegen sich auf schmalem Terrain zwischen beruflicher Pflichterfüllung und Geschmacklosigkeit.

Eine geschockte Mutter nach einem Foto ihres sechsjährigen Sohnes zu fragen, der soeben vor ihren Augen von einem Lkw überrollt und getötet wurde, übersteigt die Grenzen des Zumutbaren. Bilderkeilen um jeden Preis? Wenn es um die Vormachtstellung in der Lokal- und Chronik-Berichterstattung geht, vergessen viele Journalisten die Schlagworte Moral und Ethik. Die schreibende Zunft verliert dadurch an Ansehen.

Der gesunde Wettbewerb zwischen den Blättern darf nicht so ausarten, dass der Skrupelloseste am Ende die besseren Karten hat. Es liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen Journalisten, moralische Grundsätze über den Drang nach möglichst effekthaschender Berichterstattung zu stellen. Selbst der Druck einer Redaktion ist keine Ausrede, sich aus der Eigenverantwortung davon zu stehlen.

Nur wer den Mut beweist, im richtigen Moment zurück zu stecken und nicht über Leichen zu gehen, steht als Sieger da - als Sieger im Kampf um mehr Qualität im Chronik-Journalismus. Die bessere Arbeit liefert nicht der, der bereits an sich tragische Ereignisse möglichst beeindruckend illustriert, koste es was es wolle.

Nur wer die ethischen Grenzen nicht überschreitet, ist in der Lage Qualität zu liefern.

Patrick Wammerl

 

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