Eingebettet in den Kampf um das schnelle Bild

Endlich Krieg live! Endlich waren wir nicht mehr auf Krieg aus der „Konserve“ a la Hollywood angewiesen – alles echt „Eingebettete Journalisten“ versorgten uns über Videophone mit hautnahen Berichten über die kämpfenden Truppen. Ein ungeahnter Glücksfall für alle Fernsehanstalten: malerische Bilder von Apache-Hubschraubern, die dem Sonnenuntergang entgegenfliegen, Panzer im Wüstenstaub, echte Soldaten, die in Hitze und Sandstürmen ihre patriotische Pflicht tun und für die Freiheit der (amerikanischen) Welt kämpfen – der Film „Platoon“ in Live-Berichten, der Krieg als Doku-Soap.

Die Fackel des Patriotismus setzte aber auch die Gehirne vieler Journalisten in Brand, die sich mit ihren Reportagen in den Dienst des Pentagons stellten und mit Begeisterung die reinste „GI-Mania“ auf die heimischen Bildschirme brachten. Coverage als Jubelgesang auf „Our Boys“.

Ebenso fragwürdig war der Informationsgehalt mancher Reportagen. So wurden wir mit „brisanten“ Reportagen zu den „großen“ Themen der Kriegsführung versorgt: Wie schaffen es Soldaten in der Wüste, regelmäßig ihre Wäsche zu waschen? Ebenso erhielten wir detaillierte Informationen über weibliche Soldaten, die glückstrahlend erzählten, dass sie nach einer Woche in der Wüste wieder ihre schulterlangen Haare waschen konnten. Alles versehen mit ausführlichen Interviews. Ob diese Art der Berichterstattung zu einem tieferen Verständnis der Ereignisse führt, ist wohl mehr als zweifelhaft.

Im Kampf um die Bilder scheint das journalistische Handwerk, recherchieren, selektieren und bewerten von Informationen, immer stärker in den Hintergrund gedrängt zu werden: die Nachricht, die Information verschwindet immer öfter zugunsten des schnellen Bildes.

Michaela Essler

 

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