Printmedien: Die Nerven liegen blank

Von einer „Existenzgefährdung“ des Standard schreibt News. „Alles Blödsinn“, entgegnet Standard-Herausgeber Oscar Bronner und weiß von Kündigungen, die der News-Verlag plant.

Dies ist die vorerst letzte Runde im Kampf österreichischer Medienhäuser. Die Nerven liegen blank, denn die Krise am Werbemarkt drückt weiter auf die Geschäfte der großen Verlage.

Der Standard kämpft seit längerem mit Anzeigenverlusten. „Die Stellenmarkt-Inserate haben sich 2002 halbiert“, sagt Bronner. Genaue Zahlen gibt er aber nicht bekannt: „Ich habe das nicht so präsent“, weicht er aus. News hingegen will über die Finanzen des Standard genau Bescheid wissen. 2002 soll der Verlust 1,5 Millionen Euro betragen haben.

Dabei steckt der Verlag selbst in der Krise. Allein 37 Format-Mitarbeiter sind beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Sollte sich das Blatt nach seinem Relaunch im Juni nicht erholen, droht das Aus. Weder Format-Herausgeber Wolfgang Fellner noch Rudi Klausnitzer, Geschäftsführer der News-Verlagsgruppe, waren für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Standard fährt weiter einen straffen Sparkurs, dem seit 2001 zwanzig Mitarbeiter zum Opfer gefallen sind. Gespart wird auch bei Druck und Vertrieb: Eine Million Euro ist das diesjährige Sparziel. Selbst wenn sich der Werbemarkt erholt, „wird ein Teil der Anzeigen nicht mehr in den Printbereich zurückkommen, sondern ins Internet abwandern“, glaubt Bronner.

Der Vorarlberger Verleger Eugen Russ spricht von der „größten Medienkrise“, die die Branche je erlebt hat. „Wir stellen uns auf eine längere Werbepause ein“, sagt er. Das Motto heißt weiter „sparsam haushalten und das Budget knapp halten“. Kündigungen gab und gibt es nach Aussage von Russ dank der Sparsamkeit des Verlages während florierender Zeiten keine. Die Wirtschaftskrise scheint das Medienhaus nur zu streifen: Die Auflagen bleiben stabil, und der Anzeigenverlust bewege sich im „einstelligen Prozentbereich“. Neue Geschäfte ortet man in Osteuropa und investiert kräftig: In Ungarn und Rumänien gibt der Verlag Tages- und Wochentitel heraus. Neue Erlösquellen bietet auch das Multi-Utility-Prinzip nach dem Vorbild USA: Der Abonnent bekommt nicht nur seine Zeitung, sondern auf Wunsch auch seine Telefonverbindung oder Versicherung vom Verlag.

Trotzdem: Ohne Werbung geht es künftig nicht. Im Gegenteil: „Die Abhängigkeit wird größer. „In den USA, Trendbarometer für Medien, bringen Vertriebserlöse fast nichts mehr“, sagt Russ. Die Verlage erholen sich nur vereinzelt; der Turnaround lässt auf sich warten.

Auch beim Kurier wird der Gürtel enger geschnallt. „Die Einsparungen liegen im einstelligen Prozentbereich“, sagt Kurier-Herausgeber Peter Rabl. Weitere Investitionen wird es nach der Regionalisierung in Wien und neuen Druckmöglichkeiten in Salzburg nicht geben. Die Zukunftsperspektiven sind für Rabl trüb: „Keiner sieht das Licht am Ende des Tunnels, und wenn, dann ist es höchstens der Gegenverkehr. Es kann keine Rede von Entspannung sein.“

Doris Brunner, Jasmin Bürger

 

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