„Sparkurs wird fortgesetzt“

„Der Standard“-Herausgeber Oscar Bronner im Gespräch mit Jasmin Bürger über die anhaltende Werbekrise, Anzeigenverluste bei seinem Blatt und die daraus resultierenden Sparmaßnahmen.

J@Wort: Herr Bronner, wie sehen Sie die wirtschaftliche Situation der österreichischen Verlage?

Bronner: Europaweit erleben alle großen Qualitätszeitungen derzeit eine Phase, in der sie hohe Verluste einstecken müssen. „Der Standard“ ist da keine Ausnahme.

Wie hoch ist der Anzeigenverlust in Ihrer Zeitung?

Bronner: Ich habe die Zahlen nicht so präsent.

Wie viele Anzeigen haben Sie im letzten Jahr verloren?

Bronner: Betroffen sind vor allem die Stellenmarkt-Anzeigen. Die haben sich quasi halbiert. Ansonsten ist der Absturz nicht so dramatisch. Es wird sich heuer im kleinen einstelligen Bereich bewegen. Wir wollen insgesamt keinen Verlust machen.

„News“ schreibt in seiner letzten Ausgabe, „Der Standard“ sei existenzgefährdet. Stimmt das?

Bronner: Alles Blödsinn. Das ist die typische Reaktion. Jedes Mal, wenn wir etwas über den News-Verlag schreiben, kommt so etwas. Diesmal ist das die Antwort auf unseren Bericht über die Turbulenzen bei Format.

Wie geht es dem „Standard“ wirklich?

Bronner: Natürlich müssen auch wir einen Sparkurs fahren. Das Ziel für dieses Jahr ist, die Kosten um eine Million Euro zu reduzieren.

Wird auch beim Personal gespart?

Bronner: Die Maßnahmen betreffen alle Bereiche. Es hat Gespräche auf dem Drucksektor gegeben, im Vertrieb wollen wir sparen. Natürlich müssen wir auch beim Personal einsparen.

Wieviele Mitarbeiter wurden in letzter Zeit gekündigt?

Bronner: In den letzten beiden Jahren haben wir ungefähr zwanzig Mitarbeiter abgebaut. Allerdings nicht durch Kündigungen, sondern mit einvernehmlichen Lösungen. Aber wir besetzen auch nach. Zum Beispiel hatten wir kürzlich im Wirtschaftsressort einen ungeplanten Abgang, der nachbesetzt wurde.

Wird es dieses Jahr Kündigungen geben?

Bronner: Es gibt noch einige Gespräche mit Mitarbeitern. Genaueres kann ich nicht sagen.

Wann wird sich der Anzeigenmarkt erholen?

Bronner: Eines Tages wird es sicher besser werden. Aber ich glaube, dass auch dann einige Teile nicht zu den Printmedien zurückkehren werden. Wir erleben einen Wechsel in der Medienbranche und ein Teil der Werbung wird ins Internet abwandern.

Wie reagiert „Der Standard“ darauf?

Bronner: Wir haben im Online-Standard eine eigene Anzeigenabteilung, die das sehr gut managt.

Doris Brunner, Jasmin Bürger

Link:
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