Journalisten finden fast alles heraus:
etwa die Zahl der 537 Bestattungsunternehmen oder jene der 1.849
Fleischerbetriebe. Doch beim eigenen Berufsstand stößt
die Branche an ihre Grenzen. In Österreich ist es nicht möglich,
die Zahl der Journalisten zu erforschen.
Der Versuch, Licht in die Statistik zu bringen, fördert gleich
mehrere Zahlen an die Oberfläche. Erster Versuch: Die Zahl
der Presseausweise. Nach Angaben des Kuratoriums für Presseausweise
gibt es rund 5.900. Der Haken: Zum einen sind nicht alle Besitzer
auch journalistisch tätig. Zum anderen müssen Besitzer
nachweisen, dass sie mehr als die Hälfte des Einkommens mit
journalistischer Tätigkeit verdienen. „Das ist für
viele freie Mitarbeiter nicht möglich“, erklärt
Geschäftsführer Alexander Baratsits-Altempergen.
Zweiter Versuch: Der Indexdatenverlag sammelt die Redaktionslisten
der großen Medienhäuser: Seine Angabe: 15.400 Journalisten.
Das Problem bei dieser Statistik: Die Redaktionen können selbst
entscheiden, wen sie in den Listen angeben: den angestellten Redakteur
genauso wie jenen freien Mitarbeiter, der pro Jahr drei Gastkommentare
verfasst.
Versuch Nummer drei: Anfrage beim Verband Österreichischer
Zeitungen (VÖZ), dem Österreichischen Zeitschriften- und
Fachmedienverband (ÖZV) und beim Österreichischen Gewerkschaftsbund.
Die Herausgeber können entweder gar nicht oder nur mit einer
ungenauen Umfrage dienen; die Gewerkschaft nur mit der Zahl der
3.500 Mitglieder.
Fruchtlos bleiben auch Recherchen beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger
und bei der Statistik Austria. Bei den Krankenkassen gibt es keine
Auswertung nach Berufsgruppen; bei der Sozialversicherung der Gewerblichen
Wirtschaft ist mit rund 30.500 nur die Zahl der Neuen Selbständigen
bekannt. Die Statistik Austria verfügt lediglich über
einen Mikrozensus zusammengefasster Berufsgruppen mit einer Schwankungsbreite
von 20 Prozent.
Verantwortlich für diesen Umstand ist laut Branchenvertretern,
dass Journalisten keine zentrale Interessenvertretung besitzen und
in unterschiedlichsten Arbeitsverhältnissen tätig sind:
als angestellte Redakteure, geringfügig Beschäftigte oder
Freiberufler. Dazu komme ein ungenaues Berufsbild.
Günther Bitschnau
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