Seit gut eineinhalb Jahren kämpfen
heimische Medien mit spürbaren Verlusten am Anzeigenmarkt.
Die Folgen sind Kündigungen, weniger Investitionen und ein
Sparprogramm in Druckereien und beim Vertrieb. Ob und wann sich
eine Änderung der Lage abzeichnet, der versprochene Werbeaufschwung
einsetzt und wie die Zukunft der Medien aussieht, dazu befragte
das ja-Wort Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus.
Mit ihm sprach Doris Brunner.
Ja-Wort: Wie erlebt das Vorarlberger Medienhaus die anhaltende
Werbekrise?
Russ: „Es ist sicherlich die größte
Krise, die es in der Medienbranche je gegeben hat. Und ich sehe
kein Licht am Ende des Tunnels. Wir stellen uns auf eine länger
anhaltende Werbepause ein. Daher heißt es für uns weiter
sparsam haushalten und das Budget knapp halten.“
Gab es Kündigungen?
„Es gab bis jetzt keine Kündigungen, da wir immer sparsam
gearbeitet haben. Wir haben auch in wirtschaftlichen Höchstzeiten
gespart. Es sind auch keine Kündigungen vorgesehen.“
Wie wirkt sich die Werbekrise auf die Auflagenzahl der
Print-Titel aus?
„Die Zahlen sind stabil. Wir haben Maßnahmen gesetzt,
damit die Auflage wieder wächst. Es geht uns nicht nur darum,
neue Abonnenten zu gewinnen, sondern auch etwas für die bestehenden
Kunden zu tun. Dazu zählen Produktverbesserung und der Versuch,
mehr Aufmerksamkeit auf unsere Produkte zu lenken. Es wurden Services
für bestehende Kunden entwickelt, wie Telefon-Dienstleistungen,
Versicherungen und Strom, die wir ihnen anbieten. Außerdem
gibt es bei uns eine Fahrradregistrierung.“
Wie hoch ist der Anzeigenverlust?
„Er bewegt sich im einstelligen Prozentbereich. Das ist
aber völlig normal. Das ist weit unter dem Schnitt von Deutschland
und der Schweiz.“
Der US-Markt ist der Trendbarometer für europäische
Medien. Wie ist die Situation in den USA?
„Es gibt vereinzelt Anzeichen für eine Verbesserung
des Werbemarktes in den USA. Dort ist die Talsohle erreicht. In
Österreich gibt es diese Anzeichen noch nicht. Vielleicht in
einem dreiviertel Jahr. Ein Trend ist diesbezüglich aber nicht
erkennbar.“
Wie sehen Sie die Zukunft der Printmedien?
„Optimistisch. Wir gründen und kaufen Zeitungen. In
Ungarn geben wir vier Tageszeitungen und etwa achtzehn Wochenzeitungen
heraus. In Rumänien sind es drei Tageszeitungen und drei Wochenzeitungen.
In Österreich ist der Markt gut bedient.“
Haben Sie noch Interesse, sich an der Tiroler Tageszeitung
zu beteiligen?
„Die Tiroler Tageszeitung wäre ein Thema, wenn es vernünftige
Bedingungen gäbe. Der Preis ist zu hoch. Die Familie Moser
will die Mehrheit an der Tiroler Tageszeitung nicht mehr abgeben.“
Gibt es Gespräche mit der Familie Moser?
„Nein, die gibt es nicht.“
Was halten Sie von der Diskussion, schnelle Nachrichten
künftig nur mehr Online zu stellen und Tageszeitungen verstärkt
auf Hintergrund und Analyse zu trimmen?
„Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist.
Dem Leser fehlt in der Früh die Zeit, sich viel mit Hintergrund
zu beschäftigen. Die Zeit, die uns der Leser schenkt ist kostbar,
daher sollten schnelle und aktuelle Nachrichten in der Zeitung bleiben.
Online ist ein Zusatzmarkt; die Synergien sollte man auf jeden Fall
nutzen. Online punktete vor allem bei topaktuellen Themen und durch
die Interaktivität. Zeitungen haben auch nicht aufgehört,
Aktuelles zu bringen, weil Nachrichten in Radio und Fernsehen schneller
sind.“
Wie sieht das künftige Verhältnis Medien und
Werbung aus? Können sich Medien aus der Umklammerung der Werbewirtschaft
lösen?
„Ich würde von keiner Umklammerung sprechen. Aus der
Werbewirtschaft kommen gute Kunden, die herzlich willkommen sind.
Wir müssen daher sehen, dass wir ein gutes Produkt liefern,
das für die Werbekunden interessant ist. Die Abhängigkeit
von Werbung wird sich noch verstärken. In den USA bringen die
Erlöse aus dem Vertrieb fast nichts mehr ein. Wichtig ist und
bleibt, Interventionen von Kunden darf man nicht zulassen. Es ist
unser Grundgelöbnis: Wir sind erster Linie nur unserem Leser
verpflichtet.“
Wir danken für das Gespräch.
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