Hitparade und Waldbeer-Shots

 

Es gibt Teilnehmer am Kuratorium für Journalistenausbildung, die mieten sich für ihre Aufenthalte in Salzburg Dachterrassenwohnungen, schlürfen dort Cocktails und wollen nach Kursende um 17.00 verständlicherweise schnell heim. Für uns andere, die in Untermietzimmern mit vergitterten Fenstern und frömmelnden Hausherrinnen vegetieren, kann der Weg nach „Hause“ nicht lang genug sein, und er ist gepflastert mit Bieren. Während uns unser persönlicher kleiner Sprachmeister Wolf Schneider, der sich seit dem ersten Kursteil in unseren Köpfen eingenistet hat, für dieses schiefe Sprachbild auf die Finger haut, rekapitulieren wir den Tag beim obligaten ersten Bier im Kugelhof, gleich neben dem Pressehaus. Trümpfe: Nähe, ein schattiger Gastgarten und die „langen Scharfen“ (Würstel).

Ebenfalls naheliegend: Das Airportcenter. Während es zu Mittag mit systemgastronomischen Abwechslungen zum Sabunari im vierten Stock des Pressehauses lockt, sieht es hier am späten Nachmittag eher trist aus: Pseudobars klumpen sich zwischen Parkplätzen und Megamärkten um das Kinocenter. Landjugend schnuppert Stadtrand-Luft, und wir trinken einen – zugegebenermaßen ausgezeichneten – Café Latte im Italo-Klon-Café Segafredo.

Der Magen knurrt, also Lokalwechsel. Wir brauchen Kultur und fahren in die Arge Nonntal beim Uni-Gelände. Hier sammelt sich, was in Salzburg unter „alternativ“ subsummiert wird: An der Bar lehnen übriggebliebene Punks in Sankt-Pauli-T-Shirts neben Studi-Müttern und Leuten, die irgendwas mit Kunst zu tun haben. Kleine Schmankerl zu vernünftigen, salzburgischen Preisen in studentischer Atmosphäre. Mit vollem Magen suchen wir einen Ort der Entspannung. Am besten: liegen.

Liegen, das geht nur im The Club am Anton-Neumayr-Platz – dem entspannendsten Ort der Salzburger Nacht. Hier treffen sich ausschließlich nette Leute. Das meint zumindest Hausherr Peter – denn andere lässt er gar nicht erst rein. Hat man geläutet und Peter von der eigenen Nettigkeit und Coolness überzeugt, taucht man in eine orientalische Welt mit Liegeflächen, Riesenpölstern, gedämpfter Beleuchtung und Lounge-Sounds. Hektik ist hier unbekannt, erklärt Peter, und bereitet uns zeremoniell eine Wasserpfeife mit Apfel-Minze-Tabak zu. An der nuckeln wir die nächsten eineinhalb Stunden, schlürfen Cocktails und vergessen die Welt. Einziger Nachteil: Der Club ist sauteuer. Und unter der Woche schließt er zwischen eins und zwei. Zu früh. Also weiter – ans Salzachufer.

Dort reiht sich Lokal an Lokal, was abwechslungsreicher klingt, als es ist: Hitparadenmusik und Waldbeer-Shots. Eine völlig andere Welt, mit Publikum vom Raver bis zum Countrysänger. Wir entscheiden uns für die roten Ledersofas im Daimlers bei der Staatsbrücke. Nach einigen Vernichtungsdrinks ist die Sicht der Dinge schon erträglicher geworden, doch jetzt drückt wieder der Magen, nur anders wo. Das Bett ruft.

Nach einer durchzechten Nacht mit einem Haufen Promillen und Zigaretten, die am Morgen noch spürbar sind, wünscht man sich nur eines: Kaffee. Und weil wir gerne am Anton-Neumayr Platz sind, bietet sich das Republic Cafe-Bar-Club sehr gut an – nicht zuletzt, weil man hier, wo abends DJs und Performance herrschen, bis 18.00 frühstücken kann. Die Auswahl ist enorm, Müsli und Semmel mit Marmelade oder Wurst und Käse, dazu frisch gepresster Orangensaft. So lässt es sich leben, auch wenn es im Supermarkt billiger gewesen wäre. Doch bei netter Atmosphäre stören die paar Euros auch nicht mehr. Schließlich sparen wir bei den Zimmern. Und erleben dabei mehr als die Kollegen mit der Dachterrasse.

Christine Glaser, Corinna Milborn

The Club: Relaxen bei jazzigem Soul und fruchtigen Cocktails. Vergrößerte Ansicht
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The Club: Relaxen bei jazzigem Soul und fruchtigen Cocktails.
Lemon Chilli: Tortillas mit Avocadocreme oder Chicken Wings, für jeden Gaumen das richtige. Vergrößerte Ansicht
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Lemon Chilli: Tortillas mit Avocadocreme oder Chicken Wings, für jeden Gaumen das richtige.
Segafredo Airportcenter: Capuccino, Caffe Latte, Espresso, italienisches Flair mitten im Einkaufszentrum. Vergrößerte Ansicht
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Segafredo Airportcenter: Capuccino, Caffe Latte, Espresso, italienisches Flair mitten im Einkaufszentrum.
Pizzeria Milano: Lambrusco, Lasagne oder Penne, romantisches Ambiente am Leopoldskronweiher. Vergrößerte Ansicht
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Pizzeria Milano: Lambrusco, Lasagne oder Penne, romantisches Ambiente am Leopoldskronweiher.
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Lemon Chilli: Szenetreff für Freunde des mexikanischen Lifestyles.
 

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