Eike
Clemens Kullmann, Oberösterreichische Nachrichten:
Quantität scheint leider immer wichtiger zu werden und die
Qualität in den Hintergrund zu drängen. Das liegt in erster
Linie daran, dass immer mehr Seiten produziert werden sollen, die
Zahl – zumindest der angestellten — Journalisten aber
eher weniger wird. Qualität verkommt da schnell zu einem Schlagwort.
Allerdings liegt Qualität auch an den RedakteurInnen, AspirantenInnen
und ReporterInnen und deren Ausbildung an sich. Dabei zeigt sich,
dass es immer schwieriger wird, Fortbildungskurse zu besuchen bzw.
sich redaktionsintern der Ausbildung zu widmen. Grund dafür:
ebenfalls Zeit- und Personalmangel.
Werner A. Beninger, Die Presse
Der Qualitätsverlust ist nicht durch wirtschaftliche
Situation bedingt, sondern durch die Kultur in einzelnen Medien,
die Beliebigkeitsjournlismus machen und auf den schnellen Effekt
setzen. Die ganze Infotainment-Schiene hat mit Journalismus nur
am Rande zu tun. Qualität hängt auch sehr stark von jedem
einzelnen Journalisten ab - doch viele Redaktionen können oder
wollen es sich nicht mehr leisten, in die Ausbildung von Journalisten
zu investieren. Die Leute müssen ins kalte Wasser springen.
Auch bei Personalabbau lässt sich die gleiche Qualität
nicht halten: Es gibt zig Beispiele von Medien, die alte, gute (und
auch dementsprechend teure) Leute rausgehaut haben. Die Qualität
leidet darunter massiv: Einige Zeitungen sind nur mehr eine bessere
Ansammlung von Agenturmeldungen.
Anton Johann Fuchs, Niederösterreichische Nachrichten
Qualität hat ihren Preis...nämlich den Schweiß.
Welcher Wirtschaftszweig ist nicht rasanter geworden, hat den Output
massiv gesteigert? Sind Autos deswegen unsicherer geworden? Sicher,
die Technik hat den Journalisten viel auferlegt, aber auch viel
gebracht. Nie zuvor waren Informationen so schnell zu organisieren,
war die Kommunikation so einfach wie heute (Internet, Mail, Handy...).
Wer rationell arbeitet, wird genauso sorgfältig recherchieren
können wie frühere Journalisten-Generationen. An einem
Satz eine Stunde feilen? Eine Zeitung ist ein Wegwerfprodukt, und
die Rezipienten sind schneller überfordert denn beeindruckt.
Was tatsächlich leidet, ist in vielen Verlagen die Ausbildung
- welcher Aspirant hat heute noch einen Lehrredakteur - und/oder
ein Ausbildungskonzept - an seiner Seite?
Josef Bruckmoser, Salzburger Nachrichten
Es gibt die Regel, dass mehr gute Journalisten eine bessere
Zeitung machen. Das ist klar. Die ganze Arbeit wurde rationalisiert.
Dadurch hat sich vieles vereinfacht. Aber natürlich hat sich
auch der Zeitdruck für den einzelnen Redakteur verschärft.
Das führt da und dort zu Qualitätseinbußen bei der
Recherche und vor allem beim Nachrecherchieren.
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