Der kolumbianische Rechtsanwalt, Künstler und Schriftsteller Dr. Duarte Herrera lebt und arbeitet seit 12 Jahren in Österreich. Er studierte Recht, Politikwissenschaften und Sozialkunde und ist Direktor von YAGE, Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissen-schaft und Kultur sowie der Zeitschrift "Ziehender Stern". 
mail to Dr. Herrera:
dhl@euroyage.net
Wer sind hier die Chaoten?

Dr. Duarte Herrera, am Sonntag während der Demonstration festgenommen und mehrere Stunden inhaftiert, im Gespräch mit Christina Crisafulli.
 

The Site: Warum waren Sie auf der Demo - gehören Sie zu den "Berufsdemonstranten"?

Dr. Duarte Herrera: Diese war die zweite Demonstration, an der ich in zwölf Jahren in Österreich teilgenommen habe. Die erste war eine des Vereins gegen Tierfabriken. Diesmal habe ich teilgenommen, weil die Regeln der Monopolfirmen und internationalen Kapitalmärkte die Distanz zwischen Arm und Reich immer mehr vergrößern.

Würden Sie sich als einen Chaoten bezeichnen?

Vegetarier zu sein, nicht zu rauchen, keinen Alkohol zu trinken, im Kulturbereich zu Arbeiten und seinen Kindern dieses Beispiel vorzuleben - bezeichne ich auf keinen Fall "ein Chaot zu sein". Hingegen mit der Konzentration des Reichtums in wenigen Händen einverstanden zu sein, die Umwelt zu zerstören, Arbeiter auszunützen, soziale Sicherheiten zu vernichten ... das ist für mich "ein echter Chaot". 

Wenn Sie sich nicht wie die "klassischen Chaoten" benommen haben, warum wurden Sie festgenommen?

Der Bürgermeister forderte uns auf nach vorne zu kommen, um mit den Einsatzleitern zu sprechen. Nur wenige stellten sich zur Verfügung. Ein Durchgang durch die Polizeisperre wurde geöffnet. Doch kaum waren wir außer Sicht des Bürgermeisters, wurden wir festgenommen. 

Wie hat Sie die Polizeit behandelt ?

Ich hatte Glück, ich wurde weder geschlagen noch gefesselt. Ich konnte aber sehen, wie andere mißhandelt wurden. Vor allem ein Mann - ich glaube es war ein Jornalist. 

Wie lange waren Sie in Haft?

Nach einer halben Stunde im Inhaftierungsbus wurden wir in die Bundespolizei-Direktion gebracht. Dort wurde ich in eine Zelle gesteckt. Gegen ein Uhr morgens wurden wir wieder freigelassen, nachdem wir unsere Festnahme zu Protokoll gegeben hatten. 

Als Sie zum WEF/ ANTIWEF Gesprächspodium kamen, hatten Sie Schwierigkeiten hineinzugehen?

Zu meiner Überraschung hatte ich mit der Polizei absolut keine Probleme. Ein Kontrollor der Grünen hingegen sagte mir: "Hier können Sie Gewalt nicht verallgemeinern".

Wie stehen Sie zu Gewalt?

Ich bin nicht gewalttätig und lehne jede Form der Gewalt ab, egal woher sie kommt. Aber ich werde nicht auf meine politischen Rechte verzichten. Ich bin nicht gegen die Globalisierung. Ich bin gegen eine Globalisierung, die von internationalen privaten Konzerne diktiert wird.