„Es findet ein Umbruch statt, aber kein Ende des Journalismus“


15 Journalistinnen und Journalisten schlossen das 24. Österreichische Journalisten-Kolleg erfolgreich ab


„Das Ende des Journalismus ist nah. Ich kann es nicht mehr hören“, sagte Stefan Plöchinger, Online- und Digitalchef bei der Süddeutschen Zeitung. In seiner Festrede anlässlich der Zertifikatsverleihung des 24. Journalisten-Kollegs betonte er, dass ein Umbruch stattfinde, aber auf keinen Fall ein Ende des Journalismus nahe. In der Salzburger Residenz wurde am vergangenen Freitag gefeiert: 15 Journalistinnen und Journalisten schlossen das 24. Österreichische Journalisten-Kolleg erfolgreich ab.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte Plöchinger. Mit Hermann Hesses Worten aus dem Gedicht „Stufen“ appellierte er an die jungen Journalistinnen und Journalisten, neue Chancen zu sehen und diese auch zu nutzen. „Wir dürfen nicht einschlafen und ‚erschlaffen‘!“ Es brauche die richtige Motivation: „Man geht in den Journalismus, um Menschen schlauer zu machen, nicht des Geldes wegen“, so Plöchinger. Manche Medien würden heute wie Populisten agieren: Sie spielen mit Ängsten, versetzen die Leser und Rezipienten in Hysterie. Infotainment ohne Ethos, nennt es Plöchinger. Dieser Entwicklung könne man entgegenwirken. „Stellen Sie sich bitte auf die andere Seite“, sagte er in Richtung der Kolleg-Absolventinnen und Absolventen. Man müsse sich immer wieder die Frage stellen „Was will ich meinen Lesern und Rezipienten mitgeben?“. Und: „Seien Sie wach und neugierig, nicht zynisch!“

Gute Ausbildung kann man nicht hoch genug schätzen

KfJ-Geschäftsführerin Dagmar Köttl betonte in Ihrer Rede, wie wichtig die Investition in die Aus- und Weiterbildung im Journalismus sei und forderte die Politik auf, die journalistische Ausbildung zu unterstützen: „Da können wir es uns nicht leisten zu sparen – im Gegenteil: die Arbeit muss noch weiter intensiviert werden. Wir brauchen selbstbewusste Journalisten, die stark sind, die sich weiter entwickeln und auf aktuelle Entwicklungen kompetent eingehen.“

Print und Online

„BEZIEHUNGSweise“ heißt das mehrmediale Projekts, mit dem die 15 Journalistinnen und Journalisten ihre Ausbildung abschlossen. Es entstanden ein Printprodukt sowie ein Onlineauftritt, in denen sie sich mit dem Thema „Allein. Gemeinsam. Erziehen“ beschäftigten. Die beiden Chefs vom Dienst Tamara Stocker, Online-Redakteurin der Tiroler Tageszeitung, und Nikolaus Klinger, Lokal-Redakteur der Salzburger Nachrichten,  präsentierten das Abschlussprojekt über und für Alleinerziehende: Diese machen einen immer größeren Teil unserer Gesellschaft aus, in Österreich sind es 13 Prozent aller Familien. Mütter, Väter und Kinder kommen zu Wort, das Thema wird politisch, rechtlich, gesellschaftlich, geschichtlich und auch mit einer Prise Humor journalistisch aufbereitet. Mehr unter: http://bzw.kfj.at/.

Das Österreichische Journalisten-Kolleg
Das Österreichische Journalisten-Kolleg ist die berufsbegleitende Basisausbildung für Journalistinnen und Journalisten in Österreich. In vier Modulen (neun Wochen) werden das journalistische Handwerk, das Wissen über Wirtschaft und Politik, Medienrecht und Berufsrolle reflektiert und vertieft. Das Journalisten-Kolleg ist als Ausbildung für Redakteure im Kollektivvertrag verankert. Veranstalter ist das Kuratorium für Journalistenausbildung (www.kfj.at). Der nächste Jahrgang, das 25. Österreichische Journalisten-Kolleg startet im Oktober 2016 in Salzburg.

Das KfJ wurde 1978 gegründet. In den vergangenen 38 Jahren wurden 1.250 Veranstaltungen mit rund 20.000 Teilnehmern durchgeführt. Das KfJ-Team organisiert Workshops und Seminare in ganz Österreich. Der Hauptsitz befindet sich in Salzburg, seit Anfang letzten Jahres gibt es auch einen Standort in Wien. Nähere Infos finden Sie in unserem Jahresbericht 2015.

Festrede von Stefan Plöchinger

Bildergalerie zur Feier am 17. Juni im Weißen Saal der Alten Residenz Salzburg

Foto: KfJ/Alexander Golser

Die erfolgreichen Absolventen des 24. Österreichischen Journalisten-Kollegs: v.l.n.r.: Sara Maria Brandauer, Thomas Sendlhofer, Christina Vetta, Nina Caroline Zimmermann, Corinna Breuer, Tamara Stocker, Jakob Hilzensauer, Marie-Therese Tropsch, André Stadler, Nikolaus Klinger, Andreas Rachersberger, Uta Katharina Michaeler, Christoph Steindl, Simone Bogner, Gerold Keusch.

NLP – Bedrohung oder Potential?, 15.9.2017, Wien

Im Seminar erhalten Sie Einblick in die Methoden der konfliktorientierten NLP-Rhetorik und erfahren, wie Sie in Interviews NLP-Muster aufbrechen und abwehren können.


Der Charme der Heimat, 18.-19.9.2017, KfJ.Wien

Der USP regionaler Medien liegt in der Einzigartigkeit des Mikrokosmos Heimat. Die Referentin Christine Brugger zeigt, wo diese Inhalte zu finden sind und wie auch überregionale Themen zu lokalen Geschichten werden.


Sprache als Handwerk, 25.-26.9.2017, KfJ.Wien

Exzellenten Stil kann man lernen. Schreibprofi und Bestseller-Autor Christoph Fasel begibt sich im Seminar auf die Spuren von Unwörtern, zerlegt Mode-Blabla, Adjektive, Nominalstil, Bürokratendeutsch und Bandwurmsätze.


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