Verhaltenskodizes in Redaktionen sichern die Freiheit der Medien in einer Demokratie


Utl. Föderl-Schmid, Trappel, Mills fordern schärfere Selbstkontrolle der Medien

Redaktionen brauchen klare Leitlinien, die heikle Situationen wie den Umgang mit Einladungen und Interview-Autorisierungen regeln und die Selbstkontrolle durch den Presserat ergänzen. Österreich hat im europäischen Vergleich Aufholarbeit zu leisten. Darauf einigten sich die Diskutanten der gestrigen Diskussion über Compliance-Regeln in Redaktionen in Wien – die Veranstaltung wurde vom Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) in Kooperation mit dem Österreichischen Presserat organisiert.

„Ein Journalist darf nicht über ein Unternehmen berichten, von dem er Aktien hält. Der Ehrenkodex des Presserats muss hier verschärft werden“, fordert Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard). Sie wird demnächst "Leitlinien zur Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit" für den Standard vorstellen. Darin geregelt werden außerdem die Kennzeichnung von Pressereisen, Einladungen und Testberichten.

Josef Trappel (Uni Salzburg) hat in einer Studie  über zehn Länder  unter anderem den Einfluss von Compliance-Regeln in Redaktionen untersucht: „Österreich liegt im hinteren Drittel, nicht zuletzt weil die redaktionsinterne Qualitätssicherung fehlt.
Anton Sahlender ist Ombudsmann und Leseranwalt bei der MainPost in Würzburg, wo seit einigen Jahren mit eigenen Leitlinien gearbeitet wird: „Bei uns ist das ethische Bewusstsein gewachsen. Wir korrigieren Fehlleistungen unserer Redakteure und sanktionieren Verstöße gegen unsere Leitlinien.“

Anthony Mills (International Press Institute) hebt die Selbstschutzfunktion von Selbstregulierung hervor: „Wo keine Presse-Kodizes existieren, kann schnell der Tag kommen, an dem Regierungen das Chaos ausnützen und zentral regulieren wollen. In Großbritannien wird genau das diskutiert."

Elisabeth Wasserbauer (Kuratorium für Journalistenausbildung) und Alexander Warzilek (Presserat) sehen in journalistischen Leitlinien ein Qualitätsmerkmal, das Vertrauen und Glaubwürdigkeit schafft.. Als redaktionsinterne Maßnahme sind sie eine wichtige Ergänzung zur unabhängigen Selbstkontrolle durch den Presserat.

Bildergalerie

v.l.n.r. Anton Sahlender, MainPost; Josef Trappel, Universität Salzburg; Elisabeth Wasserbauer, KfJ; Anthony Mills, IPI; Alexandra Föderl-Schmid, Der Standard; Alexander Warzilek, Öst. Presserat

Storytelling, 19.-20.4.2017, KfJ.Wien

Wie mache ich mein Thema spannend und lebendig? Auch das wiederkehrende, vermeintlich trockene Thema? Da hilft das Werkzeug des Storytelling.

 


Fotografie Basisworkshop, 24.-25.4.2017, KfJ.Wien

Was ein funktionierendes Pressefoto ausmacht, zeigt die mehrfach ausgezeichnete APA-Fotografin Barbara Gindl in diesem Workshop. Sie gibt Tipps, wie aussagekräftige Bilder ohne großen technischen Aufwand gelingen.


Titel, Vorspann, Bildtext, 25.-26.4.2017, Salzburg

Ein guter Titel, eine packende Bildunterschrift - von den kleinen Texten hängt es ab, ob sich Leser einem Text widmen. Referent Steffen Sommer zeigt in diesem Workshop, was einen gelungenen Einstieg in die Geschichte auszeichnet.