Mut zur Veränderung – Journalism Reloaded: Fachsymposium über neue Kompetenzen im Journalismus


Wandel und Veränderung beherrschen die Branche. Was Journalisten dafür brauchen und wie Veränderung gelingen kann, damit beschäftigten sich fast 40 Lehrgangsleiter, Chefredakteure, Journalisten und Weiterbildner am 6. Mai in Wien. Das Kuratorium für Journalistenausbildung hatte zum Fachsymposium geladen, das parallel zum European Newspaper Congress im Rathaus stattfand.

Wie Veränderung gelingt

Claus Fokke Wermann, Fernsehjournalist und Psychologe, sprach über Veränderungsprozesse. Sein Motto: „Neue Wege sind auf alten Karten nicht verzeichnet.“

Durch seine Tätigkeit als Berater weiß er, dass angestoßene Veränderungen zu 80 Prozent versanden. Das sei nicht verwunderlich, Veränderung erzeuge grundsätzlich Widerstand. Dagegen helfe klare und offene Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern und das Einbeziehen der Kompetenz der Beteiligten. Erst wenn die Frage nach dem Warum beantwortet sei, die Sinn-Frage, könne Veränderung gelingen. Dann können Ziele definiert und erst dann eine Veränderungsarchitektur erstellt werden. Er illustrierte das am Beispiel einer Fernsehredaktion, die 400 iPhones angeschafft habe, doch niemand wusste damit etwas anzufangen.

Er sieht aktuell vor allem eine Gefahr: „Je undurchsichtiger Situationen sind, desto mehr Zugkraft haben einfache Lösungen.“ Klar sei, dass Redaktionen Mut beweisen müssten: „Wir wissen nicht in welche Richtung – es gibt keine Referenzmodelle – wir wissen nur, dass wir losgehen müssen.“

Veränderung werde oft als Mehrarbeit wahrgenommen, die Reaktion: „Das soll ich also auch noch machen!“  Die Antwort müsse lauten „Nein! Du sollst die für ein Thema relevanten Medien kennen und auf mehreren Ebenen, also crossmedial denken.“ Dann aber könne nicht einer alles für alle Plattformen machen.

Zum Thema Motivation und Begeisterung zitiert Wermann den Gehirnforscher Gerald Hüther, der empfiehlt zu beobachten, wofür sich Menschen in den neuen Medien begeistern. Dementsprechend forme sich nämlich mit der Zeit das Gehirn.

Zukunft der Medien nur so gut wie die Menschen, die sie gestalten

Den technologischen Entwicklungen und den veränderten Bedürfnissen der Nutzer widmete sich danach Alexandra Stark. Stark ist Journalistin und Studienleiterin an der Schweizer Journalistenschule maz. Im Rahmen ihres Masterstudiums New Media Journalism, ein Angebot u. a. von maz und KfJ, hat sie ein Kompetenzmodell erstellt. Journalisten brauchen neue und alte Kompetenzen: das erprobte journalistische Handwerk, technologische, nutzerbezogene und wirtschaftliche Kompetenzen. Schließlich sei „die Zukunft der Medien nur so gut, wie die Menschen, die sie gestalten.“

Für die neuen Möglichkeiten hält sie fest: „Was technisch an Content möglich ist, ist nicht automatisch Journalismus.“ Der Grundsatz müsse lauten: Form follows function. Aber nicht internen Funktionen der Redaktion, sondern den Bedürfnissen des Zielpublikums. Davon ausgehend sei zu entscheiden, was wer wann wie produziere und bereit stelle.

Im Gespräch mit George Nimeh war sie mit ihm einig: Journalisten müssen mehr Verantwortung übernehmen und die aktuellen Veränderungen mitgestalten. Nimeh leitet die digitalen Ausgaben der österreichischen Tageszeitung Kurier und legt Wert auf das Vertrauen seines Publikums: „Wir sollten nichts veröffentlichen, bevor wir nicht wissen, dass es stimmt. Vertrauen hat an Bedeutung gewonnen, seitdem die Menge an Informationen uns überwältigt.“

Für ihn ist die Zusammenarbeit in der Redaktion der Schlüssel zum Erfolg. Nicht nur zwischen Print und Online. Und er hat gelernt, dass es leichter ist, nicht alles auf einmal zu machen. Es gibt viele digitale Möglichkeiten, man muss entscheiden, was zu einem passt. Die tägliche Frage müsse immer lauten: „Was ist die Geschichte des Tages und wie erzählen wir sie?“

Wie Lernen gelingt


"Was brauchen Journalisten, um sich auf Weiterbildung einzulassen?" Mit dieser Frage beschäftigte sich Kirsten Annette Vogel, Journalistentrainerin, Autorin und Lehrsupervisorin. Voraussetzung dafür, dass jemand sich neues Wissen und neue Fähigkeiten aneigne, seien „Begegnung, Berührung und Beziehung“, nicht nur im Lernkontext. Daraus könne man Mut entwickeln und die Fähigkeit querzudenken. Und sie stellte die Frage: „Wenn wir im Journalismus das nicht machen, wer dann?“

Vogel bezog sich dabei auch auf den Neurowissenschaftler Gerald Hüther, der nachweist, dass wir nur in den Momenten lernen können, in denen wir die Sicherheit haben, dass wir schon etwas wissen oder können. Erst diese Sicherheit biete die Grundlage dafür, dass wir Neues anknüpfen können. Sie wies darauf hin, dass es daher unabdingbar sei auf das Gelungene schauen, auf bereits vorhandene Kompetenzen, damit diese weiter wachsen und neue dazugewonnen werden können. Wer nicht weiß, was er oder sie kann, wird sich kaum bewegen können. Wer das Selbstbewusstsein über das bereits Erlernte und Gekonnte erlebt, spürt seinen Willen und den Mut, sich weiter zu entwickeln. Respekt, Wertschätzung und das Anerkennen gelungener Arbeit führen dazu, dass Menschen in Redaktionen sich wieder sicher fühlen und so bekannte und neue Aufgaben gut meistern.

Eine weitere wissenschaftliche Erkenntnis gab Vogel aus ihrer jahrelangen Erfahrung den Weiterbildnern mit: Denken und empfinden finden gleichzeitig statt. Lernstoff sollte also nicht nur gedacht, sondern auch empfunden und erfahren werden. Das heißt, dass Lernende auf allen Ebenen ihrer Wahrnehmung erreicht werden sollten. Womit erreichen und berühren Trainer und Referenten ihre Kursteilnehmer, womit erreichen und berühren Chefs ihre Mitarbeiter? Mit Klarheit und Transparenz. Mit Einfühlungsvermögen, Zuwendung und respektvoller Führung. Eigentlich sei es so einfach, sagt Vogel, Menschen darin zu unterstützen ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln: durch eine wohlwollende Haltung, ernst gemeinte Anerkennung und gelungene Kommunikation. Und dieses könne man eben nicht denken, nur spüren und erleben.

Erfolgreiche Modelle deutschsprachiger Weiterbildung im Journalismus

Anschließend stellten erfolgreiche Weiterbildner ihre Arbeit vor: Paul Kraker, selbst Journalistentrainer und ORF-Radiojournalist, moderierte das Gespräch und berichtete, dass interne Weiterbildung sich mitunter schnell erschöpfe. Stefan Robiné, Geschäftsbereichsleiter der ARD.ZDF Medienakademie, wies auf die unterschiedlichen Ebenen der Weiterbildung hin und darauf, dass Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen motiviert sein sollten. Robiné verweist auch auf das journalistische Selbstverständnis: „Journalist kommt von jour – der Tag. Jeder Tag ist anders. Ich habe den Beruf ergriffen, weil ich die Veränderung will und dazu braucht es Fortbildung.“

Maximilian Gaub, Dozent an der Burda Journalistenschule, an der Deutschen Journalistenschule und am KfJ, betonte, dass neben der inhaltlichen vor allem die Vermittlungskompetenz die Qualität der Weiterbildung bestimme. Er arbeitet in seinen viermonatigen Kursen auch mit den Methoden von Computerspielen. „Was die gut können, ist die Balance zwischen Überforderung und Langeweile zu finden. Und die müssen wir beim Lernen auch finden.“

Und Dagmar Köttl, Seminarleiterin am Kuratorium für Journalistenausbildung, berichtete, wie die Rahmenbedingungen Weiterbildung beeinflussen. „Bei uns sind die Lernenden willkommen, da ist auch Scheitern möglich.“ Das KfJ hat über 100 Referenten. Engagierte Journalisten, die ihre Kompetenzen auch weitergeben wollen. „Das will nicht jeder und das kann nicht jeder. Unsere Referenten wissen, wie Erwachsene lernen. Wertschätzung und der Blick auf das, was sie schon können – so gelangen unsere Kursteilnehmer zu neuen Kompetenzen.“

Journalism Reloaded fand am 6. Mai im Wiener Rathaus statt. Veranstalter war das Kuratorium für Journalistenausbildung. Partner des Symposiums waren:
European Newspaper Congress (Medienfachverlag Oberauer)
Akademie für Publizistik, Hamburg
maz – Die Schweizer Journalistenschule
Leipzig School of Media
Arbeiterkammer Wien


Bildergalerie

Präsentationen als pdf:
Alexandra Stark: Kompetenzmodell
Claus Fokke Wermann: Wie Veränderung gelingt

Charme der Heimat, 29. bis 30.1.2018

Der USP regionaler Medien liegt in der Einzigartigkeit des Mikrokosmos Heimat. Die Referentin Christine Brugger zeigt, wo diese Inhalte zu finden sind und wie auch überregionale Themen zu lokalen Geschichten werden.


Kommunikation in Social Media, 29. bis 30.1.2018

Der Dialog in Social Media bietet ganz neue Chancen zur direkten Interaktion mit Kunden und Zielgruppen. Im Workshop erarbeiten Sie erfolgreiche Kommunikationsstrategien - individuell für Ihre Plattform.


Videodreh mit dem Smartphone, 22. bis 23.2.2018

Sie erfahren, wie Sie schnell und unkompliziert ein ansprechendes Video mit Ihrem Smartphone produzieren und wie Sie dieses Tool sinnvoll im beruflichen Alltag einsetzen.


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